Wordpress aus Bielefeld

Über WordPress sind viele, dicke Bücher geschrieben worden

Ich möchte hier ein paar WordPress-Geheimnisse erläutern, die in keinem Klappentext der bekannten Wordpress-Bücher stehen: Denn wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten. Und da gibt es noch ganz viele Grauwerte, die ich ebenfalls erhellen möchte. Das WordPress als extrem intuitiv gilt, ist oft immer noch ein Geheimnis. Aber auch Web-Entwickler und Insider, die es gern als profanes Massen-CMS vom Tisch wischen, kennen oft nicht dessen eigene Funktionalitäten, ganz einfach weil sie andere Content Management Systeme besser finden. Sei es Drupal, Typo3, Joomla oder sonst ein Open-CMS, waschechte Web-Entwickler finden WordPress oft langweilig, weil es soooo mainstreamig ist. Da fragt man sich als Designer, Geschäftsfrau, Onlinehändler, Buchautor oder Contentmanager natürlich, woran der nur mäßige Ruf an dem einfachen System eigentlich liegt. Nun, da wären sofort ein paar gängige Wordpress-Vorurteile zu nennen:

  • WordPress gilt als unsicher
  • Es ist eigentlich gar kein richtiges CMS, sondern ein Blog-System
  • Wir wollen doch eine „richtige Website“ bauen, statt diesem Kinderkram – oder?
CMS WordPress-Entwicklungstrend von 2004 bis 2017

WordPress-Entwicklungstrend von 2004 bis 2017 in Deutschland. Quelle: © Google Trends 2017

Ich arbeite als Webdesigner seit 2011 mit WordPress und verrate Ihnen mein Geheimnis: WordPress ist ein sehr leistungsfähiges Content Management System! Es kann mit entsprechenden Plugins so feingranular abgestimmt werden, wie kein anderes System. Es ist „Out-of-the-box“ aber eher ein Blog-System als ein CMS. Die Nutzer- bzw. Rechteverwaltung ist bewusst stark eingeschränkt, ein Serverumzug unter WP ist vielleicht nicht ganz trivial. Mehrsprachige Websites sind mit dem PlugIn WPML ebenfalls möglich. Ein fertig eingerichtetes System kann von Neulingen fast ohne Vorkenntnisse bedient werden. Wer aber glaubt, mit einem schicken WP-Premium-Theme ohne Kenntnisse oder Fachbücher ein WordPress individualisiert selbst aufsetzen zu können, wird mittelfristig verzweifeln. WordPress ist eben kein Spielzeug, sondern wird einfach gerne maßlos unterschätzt. Dafür kann Ihnen jeder Entwickler kostengünstig weiterhelfen – weltweit. Ich persönlich liebe es, mich mittlerweile nur noch auf die Inhalte meiner Websites konzentrieren zu können, statt wie früher ständig mit der Technik kämpfen zu müssen. WordPress hilft mir im Alltag mich auf meine drei Lieblingskategorien fokussieren zu können: Webdesign, Content und SEO. Was bleibt von den Vorurteilen übrig?

  • WordPress muss man wirklich gut absichern, da es mit Robotern gern automatisiert angehackt wird
  • Es ist ein voll konfigurierbares CMS, dessen Blog-Funktionalitäten auf Wunsch ignoriert werden können
  • Die Rechte- und Rollenverwaltung ist recht spartanisch
  • Es ist kein Kinderkram, sondern eine durchdachte und ausgereifte CMS-Lösung mit Zukunft.

 

Die Vorteile von WordPress sind kein Geheimnis mehr


  • Circa 20-25 Prozent aller Content Management Systeme sind mit WordPress aufgesetzt
  • WordPress ist stark skalierbar: Vom kleinen Onepager bis zu großen Firmenpräsenzen ist vieles möglich
  • Es gibt sehr viele Themes und Plugins, mit denen WordPress gestalterisch und technisch individualisiert werden kann
  • WordPress ist von Haus aus relativ suchmaschinenfreundlich, wenn man ein paar Dinge beachtet
  • Das CMS wird von einem engagierten Team permanent weiterentwickelt, dadurch bleibt WordPress zukunftssicher
  • Neben den WP-Entwicklern gibt es auch deutschsprachige WP-Communities, in denen man sich helfen lassen kann
  • WordPress ist eine Open-Source Lösung unter der GPL-Lizenz und darf kostenlos benutzt werden
  • Seiten oder Blogs können von Jedermann jederzeit leicht erstellt und gepflegt werden, selbst mit dem Smartphone
  • Die Nutzeroberfläche ist intuitiv, in vielen Sprachen verfügbar und die Einarbeitungszeit ist gering
  • Worpress erlaubt es, sich auf guten Content zu konzentrieren statt auf komplexe, technische Vorgänge
  • Theoretisch kann man alle paar Jahre einfach ein moderneres WP-Theme einsetzen und hält eine Website so optisch immer frisch

 

WordPress hat aber auch Nachteile gegenüber anderen CMS


  • WordPress ist das meist angehackte CMS der Welt und muss sorgfältig abgesichert werden
  • Updates müssen aufgrund von Sicherheitslücken unbedingt zeitnah durchgeführt werden, sind aber automatisierbar
  • Alle WP-PlugIns und WP-Themes müssen mit Bedacht ausgewählt werden, da sie ebenfalls weiter entwickelt werden müssen
  • Zu viele PlugIns verlangsamen und verkomplizieren WordPress, bis hin zu völligen Inkompatibilitäten
  • Bei der Planung, Einrichtung und beim Wunsch nach individuellem Webdesign benötigt man einen Webdesigner bzw. einen Webentwickler
  • Obwohl Inhalte und Design in WordPress voneinander getrennt sind, können nicht immer einfach neue Themes installiert werden. Das gilt besonders bei Themes mit Sonderfunktionen, die in anderen Themes nicht funktionieren bzw. zerschossen werden

 

Wordpress auf dem Smartphone

WordPress kann auf dem Smartphone ohne App im Browserfenster bedient werden

 

Geheimtipps für WordPress-Senkrechtstarter

Kaufen Sie sich für wenig Geld ein gebrauchtes WordPressbuch (kann ruhig schon 1-2 Jahre alt sein) und lesen Sie es „quer“ durch. Ein Videotutorial tut es natürlich auch. Richten Sie auf Ihrem Mac oder PC ein WordPress-Testsystem zum Üben ein. Für Windows-PCs gibt es das geniale Instant-Wordpress, damit können Sie ganz ohne Servereinrichtung mehrere eigenständige WordPress-Instanzen auf Ihrem Computer einrichten. Sie probieren einfach alles lokal auf Ihrem eigenen Gerät aus und wenn Ihnen Ihr Ergebnis gefällt, ziehen Sie damit auf einen scharfen Server Ihres Providers um. Das funktioniert sogar offline. Für Macs gibt es Xamp oder Mamp als lokale Installationen. Mamp ist ebenfalls sehr leicht zu installieren. Eine weitere Möglichkeit bietet WordPress.com selbst an: Sie können dort mit einigen Einschränkungen kostenlos Ihre eigene Website aufbauen. Für die ersten Gehversuche ist das ein tolles Angebot. Sie haben mit der Downloadversion insgesamt aber viel mehr Möglichkeiten.

WordPress wird mit einem eigenen Theme ausgeliefert. Sie finden auch viele kostenlose WP-Themes im Netz. Achtung, die Downloads sollten seriös sein! Richtig schön sind die sogenannten Premium-Themes, die man z.B. bei Themeforest kaufen kann. Weitere Design-orientierte Anbieter sind Themetrust, Elmastudio, Elegant-Themes usw. – der Markt ist unübersichtlich und spätestens vor dem Kauf eines Themes sollten Sie einen WordPress-Experten fragen, ob sich ein bestimmtes Theme für Ihre Zwecke gut eignet.

WordPress läuft sogar auf den kleinen, preiswerten Kindle Tablets ohne App

 

Was macht ein gutes WordPress-Theme aus?

  • Es wird in den nächsten Jahren(!) weiterentwickelt
  • Es ist nicht vollgestopft mit allen möglichen Tools, sondern kann nachträglich mit den richtigen PlugIns sauber erweitert werden
  • Es hat aber die nötigsten Basis-Layout-Elemente mit an Board: Tabs, Buttons, Akkordeon-Funktion, responsive Spalten, Suche usw.
  • Es ist über ein CSS-Eingabeformular sauber zu individualisieren
  • Es ist schnell geladen und SEO-freundlich
  • Es sieht auf dem Smartphone und Tablet ebenfalls gut aus und lässt sich dort einwandfrei navigieren (vorher ausprobieren)

Trotzdem kauft man bei einem unbekannten WordPress-Theme immer die Katze im Sack! Denn erst beim Seitenaufbau merkt man, ob es die eigenen Vorstellungen trifft oder nicht. Ich persönlich halte nicht viel davon, ein Theme von Entwicklern in zig Arbeitsstunden um 180 Grad umbiegen zu lassen. Dann sollte man lieber weitersuchen oder sich gleich ein Theme von der Pike auf maßschneidern lassen. Mit der Suche nach dem richtigen WP-Theme kann man sehr, sehr, sehr viel Zeit verbringen.

Eigentlich müssten jedem WordPress-Theme auch die Webdesign-Layouts in Photoshop- oder Sketch beiliegen. Leider sind sie nur in den seltensten Fällen enthalten. Dadurch müssen angepasste Webdesigns mit individualiserten Farben, Fotos, Schriften usw. erst mühselig aus Screenshots nachgebaut werden.

 

WordPress Premium-Themes und Theme-Builder

Gekaufte Premium-Themes können fast immer nachträglich individualisiert werden: Ihr Logo, die Primärfarben, das Homepage-Layout können Sie auswählen. Viele Premium-Themes werden darüber hinaus noch mit einem sogenannten „Theme-Builder“ ausgeliefert, mit dem Sie Ihr Layout gänzlich individualisieren können. Der bekannteste Theme-Builder ist der Visual Composer. Spätestens jetzt steigt die Lernkurve rapide an, denn die Funktionsvielfalt der Theme-Builder ist oft nicht ganz trivial. Der größte Nachteil: Wird ein bestimmter Theme-Builder bei der Seitenerstellung genutzt, gibt es kein Zurück mehr. Danach kann die ganze Website nur noch mit diesem, einen Theme-Builder betrieben werden. Sie sind dann fest daran gebunden, auch an die Updatezyklen der nächsten Jahre… die es hoffentlich noch geben wird. Weitere Theme-Builder heißen Front End Builder,  Divi 3, Thrive, Beaver Builder, ElementorPage Builder by SiteOrigin. Alle mal anzutetsten wird sicherlich mehrere Wochen dauern. Es ist derzeit nicht absehbar,welcher Page-Builder sich dauerhaft durchsetzen wird.

Neben einem mächtigen Themebuilder kann das Erscheinungsbild Ihrer WordPress-Website auch über CSS angepasst werden. Dies ist oft der schlauere Weg, da die Eingriffe reversibel sind und das System weder optisch noch technisch zusätzlich belasten. Dazu brauchen Sie sehr wahrscheinlich wieder einen Webdesigner bzw. einen Entwickler. Ein gern gemachter Kardinalfehler: Über den Punkt > Design > Editor kann jeder im Wordpress-CSS des Themes einfach das Stylesheet ändern. Deshalb sollten Sie die Original-CSS-Datei vorher unbedingt sichern. Und auch das neue, individualisierte CSS müssen Sie sichern, denn das wird spätestens beim nächsten Theme-Update überschrieben und all Ihre individuellen Änderungen sind weg. Aus diesem Grund legen WordPress-Kenner ein sogenanntes „Childtheme“ an. Dieses bleibt immer erhalten. Wie man ein Childtheme anlegt erfahren Sie z.B. hier oder hier. Einige Themes bieten die smarte Möglichkeit, statt eines Childthemes Ihr individualisiertes CSS einfach in ein Sonderfeld der Theme-Einstellungen einzutragen. Auch dies bleibt beim nächsten Theme-Update dann erhalten. Das ist die einfachste Variante.

Individuelles CSS Formular im WordPress-Theme

Das Custom-CSS meines Themes überschreibt einfach die Standard-Werte bei der Ausgabe der Website

WordPress PlugIns

Mit den sogenannten PlugIns bietet WordPress die geniale Möglichkeit jede Site neben dem visuellen Erscheinungsbild über CSS oder Theme-Builder auch technisch weit aufzubohren. Neue Anforderungen können so auch nach dem Launch noch kostengünstig implementiert werden. Es gibt nahezu für alle WordPress-Extra-Wünsche eine passende PlugIn-Lösung. Oft ist diese sogar kostenlos. Wobei mir die Bezahlten mittlerweile lieber sind, denn dann hat der Entwickler auch den Ehrgeiz, das PlugIn weiterhin zu aktualisieren. Achten Sie beim Download auf das letzte Aktualisierungsdatum. Liegt es über ein Jahr zurück, lassen Sie die Finger davon, denn Sie setzen sonst auf ein totes Pferd. Nutzen Sie auch keine brandneuen PlugIns als Testkaninchen, sondern nur die, die schon ein paar tausendmal installiert wurden. Auch hier gilt wie so oft im Leben: Weniger ist mehr! Jedes PlugIn muss aktualisiert werden, jedes PlugIn bremst Ihren Auftritt etwas aus, jedes PlugIn bläht die Datenbank auf und steigert die Serverlast. Nicht alle PlugIns vertragen sich untereinander. Probieren Sie neue WordPress-PlugIns am besten erst lokal an Ihrem Computer aus, bevor Sie es auf Ihren Live-Auftritt loslassen. Ist das nicht möglich, sichern Sie vorher unbedingt die Datenbank: >Werkzeuge > Daten exportieren > Alles auswählen > Export-Datei herunterladen. Im Notfall können Sie diese dann wieder zurückspeichern – natürlich gibt es auch dafür passende Datenbank-PlugIns…

Noch ein letztes Geheimnis: Die Datenbank sollten Sie aus Sicherheitsgründen sowieso alle paar Wochen sichern, zusätzlich halte ich es für sinnvoll den gesamten WordPress-Auftritt per FTP ebenfalls lokal zu sichern. Auch das kann man übrigens automatisieren.