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Vorbereitung für das Feststellungsverfahren zur künstlerischen Befähigung an Kunst- und Fachhochschulen
Ihre Mappe ist durchgegangen, Sie sind zur künstlerischen Eignungsprüfung eingeladen worden. Super. Alle folgenden Tipps basieren ausdrücklich nur auf meinen persönliche Erfahrungen ohne Garantie! Die Prüfungen dauern je nach Hochschule in der Regel 1- 3 Tage. Grundsätzlich werden:

Ihr Wahrnehmungs-, Darstellungs- und Abstraktionsvermögen,
Ihre zeichnerischen und handwerklichen Fähigkeiten,
Ihre Vorbildung hinsichtlich des gewählten Studiengangs,
und Ihr Persönlichkeitsprofil in einem kurzen Gespräch überprüft.
Manchmal finden auch "Multiple-Choice-Intelligenztests" statt.

Die verschieden Erwartungen, Ansprüche und die Durchführung variieren dabei von Hochschule zu Hochschule sehr stark. Etablierte "Edel-Unis" mit traditionell gutem Ruf und hohem Andrang sind erheblich wählerischer als müde Fachhochschulen in Hintertupfingen. Eines haben jedoch alle Prüfungen gemeinsam: Sie laufen unter extrem hohem Zeitdruck ab.

Aber Sie haben sich ja schon vor dem Test richtig schlaugemacht: Versuchen Sie daher unbedingt schon Wochen vor der Prüfung im Fachbereich, in der Mensa oder "Caféte" mit Design-Studenten über die Aufnahmeprüfung zu sprechen, die die Eignungsprüfung bereits erfolgreich absolviert haben. Das ist zwar unbequem, aber strategisch klug und durchaus legitim: Oft wiederholen sich Teile der Prüfung aus dem Vorjahr oder etlichen Semestern davor. Einen einfacheren Weg Ihre Chancen erheblich zu verbessern gibt es nicht.

Darstellungskräfte:   Skizzieren, Zeichnen, Darstellungstechniken


Zeichnen Sie vor der Prüfung am besten täglich. Zeichnen Sie Ihre eigene Hand in mehreren Perspektiven ab (ein Klassiker). Skizzieren Sie z.B. Stühle, Schuhe, Kneifzangen, Glühbirnen, Fahrräder, Äpfel, Skulpturen, Bügeleisen perspektivisch und/oder plakativ. Das Ziel ist "mit dem Stift denken zu können".

Eignen Sie sich mindestens eine, besser 2 grundlegende Zeichentechniken an, mit denen Sie die Flächen Ihrer Skizzen ansprechend füllen können wie z.B. Schraffuren, einfache Marker- / Kreide-Techniken mit ganz wenig Farbe. Denken Sie daran: Es muß vor allem schnell gehen und flexibel einsetzbar sein. Ihre beste Freundin ist am Anfang übrigens generell der Bleistift.

Gefragt sind schnelle Ansätze und Skizzen. Frickeln Sie nicht endlos an einer Zeichnung bis zur Perfektion rum. Die Zeit reicht nicht. Gefragt sind oft schnelle Scribbles aus mehreren Perspektiven, die nur angerissen - aber niemals fertig gestellt sind. Besonders bei kleinen Objekten, die Ihnen persönlich in die Hand gedrückt werden, wie z.B. Korkenziehern oder Glühbirnen sind mehrere Ansichten gefragt. Gerne werden Zylinder, Pyramide, Kugel und Würfel zum abzeichnen hingestellt - Sie haben 15 Minuten Zeit...
Materialien:   Aquarell bis Zirkelkasten

Häufig müssen Sie Werkzeuge / Materialien zur Prüfung mitbringen. Hier an Qualität und Ausstattungsrepertoire zu sparen ist absurd. Besorgen Sie sich beispielsweise "neben dem vom Prüfungsamt empfohlenen Zirkelkasten" ein paar einfache Kreisschablonen oder den Brumestersatz. Wenn im Studiengang Industrial-Design eine "Holzraspel" verlangt wird, würde ich eine Säge, ein paar Feilen und Schleifpapier mitnehmen. Niemals Sekundenkleber, Tesafilm und wieder abziehbares Kreppband vergessen!

Mit der Handhabung von Aquarell, Deck- und Plakafarben samt neuem Pinselsortiment muß man intensiv üben. Testen Sie Trockenzeiten, Verträglichkeit mit anderen Zeichenmaterialien und mischen Sie mal ein paar Töne an, bevor Sie zur Prüfung gehen.

Zeichenpapier unbedingt vorher ausgiebig ausprobieren. Es muß nicht teuer sein, aber mit Ihrem Stil und Ihren Zeichenmaterialen 100%ig funktionieren. Wasserlösliche "Prittstifte", neue Feinliner, Marker auf Kopierpapier usw. vorher unbedingt ausprobieren und damit warmwerden.
Wissen und Wille:   Theoretisches Know-how und Persönlichkeit


Lesen Sie kurze Bücher über Designgeschichte, zeitgenössisches Design und bekannte Designer|-innen & Künstler. Gehen Sie in Kunstmuseen und Designaustellungen. Mit Begriffen wie "Bauhaus", "Dieter Rams", "Helvetica", "Farbkreis", "der goldene Schnitt", "Jugendstil", "Isometrie", "Michelangelo", "additive/ substraktive Farbmischung", "Marcel Breuer" usw. sollten Sie etwas anfangen können: Nicht auswendig lernen, sondern ungefähr wissen reicht.

Bereiten Sie sich innerlich auf Fragen vor wie z.B: "Warum wollen Sie (an dieser Hochschule) Design studieren?", "Was machen Sie wenn es nicht klappt?" ... "Nennen Sie sechs weltbekannte Designer|-innen" und "Schildern Sie bitte kurz Ihren Lebenslauf". Die wenigsten Fragen davon sind wirklich hochkompliziert oder tückisch, aber die Art Ihrer Reaktion, der spontaner Einfallsreichtum und die Aussagekraft Ihrer Antworten wird im Hinblick auf Ihr Persönlichkeitsprofil und Ihrer gezeigten Arbeit bewertet.

Auf Multiple-Choice-Tests des Allgemeinwissens können Sie sich auf legalem Weg kaum vorbereiten. Die Tests sind oft so angelegt, daß Sie das Pensum überhaupt nicht schaffen können. Falsche Antworten bedeuten Punktabzug. Einzige Strategie: Alles ankreuzen was Sie wissen, alles andere zunächst ganz großzügig auslassen. Wenn dann noch Zeit ist, können Sie sich den schwierigeren Fragen widmen.
Background:   Prüfungs-Psychologie

Von auffällig teueren Abgabematerialien würde ich abraten. Sie imponieren Design-Professor|-en|-innen viel eher durch den Einsatz möglichst einfacher, aber effizienter Mittel. Entscheidungskräfte interessieren sich übrigens in kreativen Eignungsprüfungen fast nie dafür, wie Sie was womit unter welchem Aufwand gemacht haben, wie hoch Ihre Prüfungsangst war, oder unter welchen Umständen Sie Ihre Kindheit verbringen mußten, sondern nur für das Ergebnis: Wenn der Kleber nach Abgabe nicht hält, ist das einzig und allein IHR Problem ...

Ihre sympathische Ausstrahlung zählt sicherlich auch:
Machen Sie sich klar, daß Ihnen aus höchster akademischer Instanz eine außergewöhnliche, künstlerische Befähigung anerkannt werden soll. Seien Sie also charmant, locker und freundlich. Kleiden Sie sich trotz schmutziger Prüfung tendenziell lieber etwas chicker als zu "schlunzig" oder gar extrem provokant.

Prüfung in einer fremden Stadt (wohl eher der Regelfall): Die Situation ist dekadent, aber gönnen Sie sich für 1-2 Nächte lieber ein billiges Hotelzimmer als frühmorgens um 6 Uhr im Stau zu stehen, oder einen Anschlußzug zu verpassen. Kommen Sie unbedingt ausgeruht und "gut gefrühstückt" zur Prüfung. Eine Flasche Mineralwasser und ein paar leichte Pausen-Snacks schaden nicht.

Lösen Sie sich von der Vorstellung, daß es an der ersten Wunsch-Uni gleich klappt. Planen Sie die nächsten "zwei verlorenen Semester" für weitere Versuche mit ein. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn Sie mit der ersten Bewerbungsmappe und/oder der ersten Prüfung nicht durchgekommen sind. Wichtig für die Psyche und "das Ego" ist aber bei weiteren Versuchen, daß man klüger geworden ist, sich permanent intensiv bemüht viel besser zu werden und die Zeit auch dementsprechend nutzt seine Talente auszuweiten. Sehen Sie sich permanent nach beruflichen Alternativen um. Wer nur passiv mit "Taxifahren als Fulltimejob" auf den nächsten Termin wartet, wird höchstwahrscheinlich wieder durchfallen.

Wenn Sie durchgefallen sind geht das Leben auch ohne Studienplatz weiter - trösten Sie sich: All die Zeit und Mühe ist nie vergebens, sondern eine unbezahlbare Lebenserfahrung, die Ihnen in Zukunft oft noch gute Dienste leisten wird. Besonders hart ist allerdings die Tatsche, daß Sie Ihre bittere Erfahrung mit nur wenigen anderen Menschen emotional wirklich teilen können. Streichen Sie die Vorstellung das Fach unbedingt studieren zu müssen gegen die positive Einstellung es ernsthaft versucht zu haben und sich später keinerlei Vorwürfe mehr machen müssen: Denn nicht nur im Design "ist der Weg das Ziel".

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